
Was ist die Stufe 1 Qualifizierung (FuP)?
Die Ausbildung zur Fachkundig unterwiesenen Person (FuP) ist das Fundament für die Sicherheit in jeder modernen Kfz-Werkstatt und jedem Karosseriebetrieb. Sie richtet sich an alle Mitarbeiter, die nicht direkt am Hochvoltsystem arbeiten, aber bei ihren Tätigkeiten mit den Gefahren der Hochspannung in Berührung kommen könnten.
Wichtig: Eine FuP darf keine HV-Systeme eigenständig freischalten. Sie arbeitet stets unter der Leitung und Aufsicht einer Fachkundigen Person (Stufe 2).
Wer benötigt die Stufe 1?
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Karosseriebauer & Mechaniker: Für Arbeiten am Fahrzeug (Bremsen, Auspuff, Unfallinstandsetzung), bei denen das HV-System nicht berührt wird.
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Lackierer: Für Lackierarbeiten und die Trocknung in der Kabine (Temperaturmanagement der Batterie).
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Serviceberater & Annahmepersonal: Zur sicheren Einschätzung von Fahrzeugzuständen bei der Annahme.
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Fahrzeugaufbereiter & Reinigungspersonal: Für die sichere Außen- und Innenreinigung von E-Fahrzeugen.
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Pannenhelfer & Abschleppdienste: Für den sicheren Transport verunfallter Fahrzeuge.
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Kfz-Sachverständige: Für die Erstellung von Gutachten an verunfallten Elektro- und Hybridfahrzeugen. Für Gutachten im HV-Umfeld (Batterie, Inverter, HV-System allgemein) ist die Stufe 2 erforderlich.

Was darf eine FuP nicht?
Definition der Fachverantwortung nach DGUV 209-093:
Die Stufe 1 Qualifizierung (FuP) ist eine tätigkeitsbezogene Unterweisung. Die Analyse der Unfallverhütungsvorschriften zeigt: Eine FuP besitzt keine eigenständige Fachverantwortung für das HV-System. Die Arbeit erfolgt stets unter Leitung und Aufsicht einer Fachkundigen Person (Stufe 2). Dies ist der entscheidende rechtliche Unterschied zur Sensibilisierung für nicht-technische Berufe.

Kursinhalte: Sicherheit im Fokus
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Grundlagen der Elektrotechnik: Strom, Spannung und Widerstand einfach erklärt.
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Gefahren des elektrischen Stroms: Wirkungen auf den menschlichen Körper und Unfallverhütung.
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Aufbau von HV-Fahrzeugen: Kennzeichnung (orange Kabel), Komponenten und Sicherheitskonzepte.
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Schutzmaßnahmen: Bedeutung der Isolation und Verhalten bei Beschädigungen.
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Praktisches Verhalten: Was darf eine EuP tun und wo liegen die strikten Grenzen (Verbot des Öffnens von HV-Komponenten).
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Erste Hilfe: Spezifisches Verhalten bei Stromunfällen.
Ihr Nutzen als Unternehmer
Mit der Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter zur FuP nach DGUV 209-093 kommen Sie Ihrer gesetzlichen Unterweisungspflicht nach. Sie minimieren das Risiko von Arbeitsunfällen und stellen sicher, dass Ihre Betriebshaftpflicht und die Berufsgenossenschaft im Ernstfall vollen Schutz gewähren. Zudem optimieren Sie den Workflow, da sensibilisierte Mitarbeiter Gefahren selbstständig erkennen und Arbeitsbereiche korrekt absichern können.
Abgrenzung zur Sensibilisierung
Während eine reine Sensibilisierung (z.B. für Verkaufspersonal) nur über allgemeine Gefahren aufklärt, ist die Stufe 1 (FuP) eine formale elektrotechnische Qualifizierung. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Mitarbeiter Werkstattaufträge an E-Fahrzeugen überhaupt annehmen und ausführen dürfen, sobald diese sich im Arbeitsbereich von HV-Komponenten befinden.

FAQ zur Stufe 1
Darf eine FuP Reifen wechseln oder Bremsen reparieren?
Ja, sofern das HV-System nicht berührt wird und keine Beschädigungen am System vorliegen. Eine Freischaltung durch eine Stufe 2 Kraft kann je nach Herstellervorgabe dennoch nötig sein.
Wie lange ist die Schulung gültig?
Die fachliche Qualifikation bleibt bestehen, muss aber durch jährliche Unterweisungen im Betrieb aufgefrischt werden.
Ist technisches Vorwissen nötig?
Nein, die Stufe 1 ist so konzipiert, dass auch fachfremde Mitarbeiter oder Auszubildende die Inhalte sicher erlernen können.
